
Gratulierten zum 100 Jahr Jubiläum: Berufsfotografen-Landesinnungsmeister Christian Schörg, Vizebürgermeister Mag.arch. Joseph Hofmarcher, Meisterfotografin Brigitte Schwarz, Bürgermeister Mag. David Pöcksteiner
Wenn man als Unternehmerin 100 Jahre Betriebsjubiläum feiern kann, hat man seit Generationen vieles richtiggemacht. So wie die Familie Schwarz mit ihrem Meisterbetrieb für Fotografie.
Als Gustav Schwarz in den 1910er-Jahren die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien besuchte, wusste er noch nicht, dass er bald eine Fotografie-Dynastie im fernen Scheibbs begründen sollte. 100 Jahre später sitzt seine Enkelin Brigitte Schwarz im selben Haus und erzählt mit leuchtenden Augen die ganze Geschichte. „Mein Großvater war ein echter Pionier. Er hat noch mit Holzkameras gearbeitet. Die fotografische Emulsion war auf Glasplatten aufgetragen.“ Er habe viele Portraits gemacht und sei auch mit einem guten Gespür fürs Künstlerische ausgestattet gewesen. Brigitte Schwarz zeigt ein Bild eines Mädchens, das von ihm nachträglich coloriert wurde. „Er hat das dann händisch gemalt. Es war ihm auch wichtig, dass die Details, wie die Augenfarbe, stimmen“, erzählt Brigitte Schwarz.
Die Zeiten waren hart in den 30er-Jahren. Gustav Schwarz war viel bei Bauern unterwegs, um die Kinder und die Familien zu fotografieren. Meistens wurde in Naturalien wie Speck oder Eiern bezahlt. Oft war auch am Sonntag viel los im Fotostudio, weil viele zur Messe in Scheibbs waren und das schöne Sonntagsgewand auch gleich am Foto tragen konnten.
1924 kam Sohn Heinz auf die Welt. Er sollte bald in die Fußstapfen seines Vaters treten. Seine Lehre machte er am Bodensee. In den Kriegszeiten besonders herausfordernd. „Alle Kollegen mussten einrücken. So war mein Vater ab dem zweiten Lehrjahr quasi alleine verantwortlich für alles und hat auch sehr viel dabei gelernt.“
1958 übernahm Heinz dann den Betrieb seines Vaters in Scheibbs. Die Zeiten wurden besser. Tourismus hieß damals noch Fremdenverkehr und entwickelte sich prächtig. Heinz Schwarz war viel unterwegs und war Spezialist für Bilder, die Orte und Landschaften im besten Licht zeigten. Die Fotos wurden dann in ganz Niederösterreich für Broschüren und Ansichtskarten verwendet. Auch Hochzeitspaare ließen ab den 1960ern ihre Festlichkeiten von Fotografen begleiten. Das Geschäft lief sehr gut. Und Tochter Brigitte, die viel mit ihrem Vater beim Fotografieren unterwegs war, ging auch nach Wien. Sie machte es wie ihr Großvater und absolvierte die Grafische.
Dann folgte 1973 die Gesellenprüfung und erste Erfahrungen im Fotostudio Beinl in Wien. „Ich war auch in der Wintersaison in Schladming unterwegs. Tagsüber waren Skikursgruppen auf der Piste und am Abend Misswahlen in der Diskothek zu fotografieren. Sehr anstrengend, aber auch lustig“, erinnert sich Brigitte Schwarz. Nach rund zwei Jahren kehrte sie dann zurück nach Scheibbs, machte 1979 die Meisterprüfung und übernahm 1984 den Betrieb in dritter Generation. „Seither bin ich durchgehend hier. Und es hat sich viel verändert.“
Die Dunkelkammer hatte bald ausgedient. Die Digitalisierung schritt voran. Die Vorhersage des Vaters, dass Ansichtskarten immer eine gute Einnahmequelle bleiben würden, hielt den Entwicklungen nicht stand. „Heute macht jeder ein paar Handyfotos und verschickt sie per WhatsApp“, sagt Brigitte Schwarz. Und so suchte Brigitte Schwarz neue Möglichkeiten und fand die Industriefotografie. Betriebe in Waidhofen, Scheibbs, Gaming oder Gresten gab und gibt es genug. Dazu kam die Architekturfotografie. „Meine heimliche Liebe“, lächelt sie. Ganz wichtig blieben Portraits von Familien, Kindern und neuerdings auch Tieren. „Früher hat niemand daran gedacht, das Haustier mitzunehmen. Heute ist das ganz anders.“
Hunde seien relativ pflegeleicht, Katzen oft eine große Herausforderung. „Das dauert dann halt ein bissl länger, aber ich mach es sehr gerne.“ In der Pandemie kam ein großer Einbruch. Keine Hochzeiten, keine Besuche im Fotostudio. „Aber jetzt läuft es sehr gut im Atelier. Die Leute verreisen zum Beispiel wieder und brauchen Passbilder“, sagt Brigitte Schwarz, und wie zum Beweis klingelt das Telefon und ein Termin wird vereinbart.
Zum Abschluss machen wir noch eine Tour durch das Studio, in dem alle Geschichten sichtbar werden. Das vom Großvater Gustav colorierte Foto. Die Dunkelkammer, die heute hell erleuchtet ist und als Lager dient. Vater Heinz Schwarz lächelt auch von der Wand. Hier wurde und wird mit viel Können und Liebe die Zeit festgehalten. In vielen Bildern, die bestehen bleiben.
Fotohaus Schwarz
Burgerhofstraße 8
3270 Scheibbs
T. 07482 42420
E. foto.schwarz@aon.at
Öffnungszeiten
Mo 08:00–12:00
Di 08:00–12:00 und 14:00–18:00
Mi–Fr 08:00–12:00
Text: Christoph Angerer, https://beiuns.media/