Hier sehen Sie das Wappen der Stadtgemeinde Scheibbs
Willkommen auf der Homepage der Stadtgemeinde Scheibbs


Wie Scheibbs zu seinem Namen kam...

Scheibbser „Taufschein“ wurde 1160 ausgestellt: Originalurkunde im Stift Reichersberg

In der Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. aus dem Jahr 996 findet sich zum ersten Mal der Name „Ostarrichi“.
Und wann wurde Scheibbs erstmals urkundlich erwähnt? Gibt es eine „Taufurkunde“?

Im Archiv des prächtigen Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg im Oberösterreichischen Innviertel befindet sich eine Originalurkunde vom 19. August 1160, in welcher Otto de Schibis als Zeuge genannt wird. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des späteren Namens Scheibbs. 

Inhalt der Urkunde: Erzbischof Eberhard II. von Salzburg bestätigt eine frühere Bestimmung des Erzbischofs Gebhard, wonach die Vogtei (Verteidigung) des Stiftes Reichersberg vom jeweiligen Vogt (Verwalter) des Erzbistums Salzburg auszuüben ist.

Wer war dieser „Otto de Schibis“? Ein Dienstmann des Grafen von Peilstein. Er hatte seinen „Amtssitz“ in der Feste (heute Schloss) Scheibbs. Zum Herrschaftsgebiet der Peilsteiner Lehensgrafen zählte nicht nur Scheibbs (wurde etwa 1120 Verwaltungszentrum), sondern auch Gebiete östlich davon.

 

Stadtwappen von Scheibbs 

Mit Brief und Siegel vom 2. November 1537 verlieh König Ferdinand I. den Scheibbsern ein Wappen. Begründung: „Für ihr ehrbares und redliches Wohlverhalten, als sie von den Türken schwerlich angefochten und in Gefährlichkeit gestanden sind und männlichen Widerstand gezeigt haben.“

Im Wappenbrief wird das Wappen präzise beschrieben: „Ein Schild, der Länge nach geteilt, die hintere Hälfte weiß oder silberfarbig, die vordere Hälfte schwarz. Im ganzen Schild drei runde Scheiben, im Driangel gestellt…“

Kurze Erklärung zur Symbolik:
Der "wilde Mann" wurde irrtümlich für den angeblichen Gründer von Scheibbs Graf Konrad von Peilstein gehalten. Tatsächlich handelt es sich dabei aber lediglich um einen in der Heraldik häufigen "Schildhalter".
Als Schildhalter gibt es jede Art von Lebewesen, die menschlichen reichen von Mohren und Mohrinnen bis Amor und den Tod. Die wilden Männer und Frauen sind stark behaart, ihr Bart und ihre Haare flattern, sie sind fast immer mit Laubkränzen gegürtet und gekrönt und mit Keulen bewaffnet.
Da es sich beim Scheibbser "wilden Mann" um eine Halbfigur handelt, um ein sogenanntes "Oberwappen", entfällt naturgemäß der Laubkranzgürtel, anstelle der Keule hält er eine der Scheibbser Wappenscheiben in der Hand.
(Quelle: Dr. Max Weltin, NÖLA, 1995, gekürzte Fassung)

 

Jolanthe Haßlwander - Sagen aus dem Ötscherland

"Wie Scheibbs zu seinem Namen kam"

Denk dir nur, die schöne, alte Stadt Scheibbs, der bedeutendste Ort im blumenreichen, waldumkränzten Erlauftal, hat vor Jahrhunderten, wenn  man der Frau Sage glauben will, ganz anders geheißen. Da führte sie den Namen „Unterdenbergen“, und diese Bezeichnung war treffend gewählt; denn Scheibbs ist ja wirklich rundum von ansehnlichen Hügel- und Bergland eingeschlossen, das den Ort freundlich zu bewachen scheint.

Nun hatten die Bewohner von Unterdenbergen den weit und breit beliebten Brauch, alljährlich auf einem Wiesengrund im Burgerhofwald ein fröhliches Volksfest abzuhalten. Da gab es allerhand Spiele und Belustigungen für jung und alt und für die Männer eine eigene Schießstätte; es wurde geschmaust und getrunken, getanzt und musiziert. Auf dieses vergnügliche Sommerfest freuten sich die Leute von Unterdenbergen das ganze übrige Jahr!

Nun geschah es einmal, dass der alte Wassermann, der seit undenklichen Zeiten einsam unter den felsigen Ufern der Erlauf lebte, am Festtag das Lachen und Lärmen vom Burgerhof bis in sein Versteck hinein hörte. Da überkam ihn die Lust, selbst zu sehen, auf welche Weise sich denn das Menschenvolk so prächtig unterhielt. Er stieg also aus dem Wasser, umgürtete sich mit einer breiten, wellenblauen Schärpe und nahm das Geschenk einer Donaunixe, eine blanke Silberscheibe, mit auf den Weg, um vielleicht bei den munteren Spielen mittun zu können.

Die ganze ungewohnte Wanderung durch den steilen Bergwald fiel dem Wassermann sehr beschwerlich. Endlich aber hatte er die Festwiese doch erreicht, verbarg sich da hinter dichtem Gebüsch und sah eine Weile dem lauten Treiben der vielen Menschen zu.

„Alles recht und schön!“ dachte der Wassermann, als er eine Zeitlang den verschiedenen Spielen und Wettkämpfen zugeschaut hatte. „Aber eine so feine, glatte Scheibe wie ich haben die guten Leutchen eben doch nicht!“ Und da kam ihm plötzlich der Einfall: „Wenn ich die ihnen schenken würde?“ Gedacht – getan! Und schon schritt der Wassermann aus dem schützenden Laubwerk hervor mitten unter die festliche Menge.

Im Nu wurde es auf dem ganzen Wiesengrund totenstill. Ängstlich und doch neugierig starrten alle auf die seltsame Erscheinung. Der Wassermann aber ließ erst die Silberscheibe im Sonnenlicht blinken, und dann warf er sie mit Schwung über den Waldboden, daß sie weit dahinrollte. Dazu rief er auffordernd: „Scheibts!“

Doch ehe die Leute noch wussten, was sie sagen oder tun sollten, war er auch schon wieder im Dunkel der Bäume verschwunden.

Du wirst begreifen, dass man von diesem einzigartigen Burgerhoffest noch nach vielen Jahren redete. Denn solch ein Besuch war noch nicht dagewesen und kam auch nie wieder!

Aber seit damals, so sagt man, nannte sich der aufblühende Ort nicht mehr Unterdenbergen, sondern Scheibbs. 

König Ferdinand I. verlieh ihm 1537 ein schönes, sinnreiches Wappen. In seinem längsgeteilten zweifarbigen Schild sind drei Scheiben zu sehen. Den Schild krönt ein Ritterhelm, und über ihm erhebt sich ein blaugegürteter, nackter, bärtiger Mann, der in der rechten Hand eine Silberscheibe hält. Dieses Wappen führt die Stadt Scheibbs heute noch!

Du siehst: der Besuch des Wassermannes beim Burgerhoffest blieb unvergessen!

 ---------------------------------------------------------

Viele glauben noch heute irrtümlich im Scheibbser Wappen den nackten, bärtigen Mann mit der Silberscheibe in der rechten Hand, den Wassermann vom Burgerhoffest zu erkennen! Tatsächlich handelt es sich aber lediglich um einen in der Heraldik (Wappenwesen) überaus häufigen „Schildhalter“. Man findet übrigens jede Gattung von Lebewesen als Schildhalter.